Kreuzbandriss im Frauenfußball
- Mimu

- 21. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Zyklusbasierte Trainingssteuerung
Warum Prävention jetzt zur Chefsache wird
Kreuzbandriss. Ein Albtraum für jede Fußballerin – und leider kein Einzelfall. Immer mehr Studien zeigen: Verletzungen im Frauenfußball sind häufiger, schwerer und haben oft langfristigere Folgen als bei Männern. Aber warum ist das so? Und was wird jetzt getan, um das zu ändern?
Die Geschichte von Iman Beney, einer der größten Schweizer Nachwuchstalente, zeigt, wie nah Erfolg und Rückschlag im Frauenfußball beieinanderliegen.
1. Ein Karrierestopp in Sekunden: Die Geschichte von Iman Beney
Sommer 2023: Iman Beney, damals 16 Jahre alt, steht kurz vor dem größten Turnier ihres Lebens – der Weltmeisterschaft in Australien. Wenige Tage vor Abflug passiert es: Ein unglücklicher Moment im Training, ein Kreuzbandriss, WM-Aus.
„Ich war fit, bereit – und plötzlich war alles vorbei“, erinnert sich Beney.
Die Diagnose ist ein Schock, körperlich und mental. Zwei Wochen später folgt die Operation. Ihr Vater schenkt ihr ein Notizbuch, in das sie täglich ihre Fortschritte einträgt. Schritt für Schritt kämpft sie sich zurück.
Heute, zwei Jahre später, sagt Beney:
„Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören. Wenn er eine Pause braucht, nehme ich sie mir – ohne schlechtes Gewissen.“
Ihr Comeback im Herbst 2024 gelingt spektakulär: Meistertitel mit YB, ein entscheidender Elfmeter – und die Hoffnung auf die Heim-EM 2025.
2. Die Fakten: Warum Frauen häufiger betroffen sind
Frauen erleiden zwei- bis achtmal häufiger Kreuzbandrisse als Männer. Oft ohne Gegnereinwirkung – bei abrupten Stopps, Sprüngen oder Richtungswechseln.
Die Gründe sind vielfältig:
Anatomische Unterschiede: breiteres Becken, andere Beinachsen
Hormonelle Schwankungen: Zyklusphasen beeinflussen Bindegewebe & Stabilität
Neuromuskuläre Kontrolle: Unterschiede in Rumpf- und Hüftstabilität
Später Beginn des Athletiktrainings: Mädchen starten oft leistungsorientiert, aber ohne gleiche physische Grundlagen wie Jungs
Dr. Angela Gebert, Bewegungswissenschaftlerin, erklärt:
„Geschlechtsspezifische Prävention muss fixer Bestandteil jeder Trainerausbildung sein – und zwar vom Breitensport bis zur Nationalmannschaft.“
3. Prävention: Vom Randthema zur Routine
Mélanie Pauli, Athletiktrainerin beim SFV, setzt sich seit Jahren für systematische Prävention ein:
„Prävention ist wie Zähneputzen – man macht es regelmäßig, nicht erst, wenn’s weh tut.“
Ihr Ziel:
Kurze, gezielte Übungen in jedes Training integrieren
Fokus auf die „Big Four“(siehe entsprechenden Blog-Beitrag):
Fußgelenk, Knie, Hüfte, hintere Muskelkette
Trainer:innen sensibilisieren und ausbilden
Das funktioniert nicht nur im Profibereich, sondern auch bei Teams, die nur zwei- bis dreimal pro Woche trainieren.
4. Wissenschaft trifft Praxis: Was sich ändern muss
Material anpassen: Frauen spielen mit denselben Bällen wie Männer, obwohl ein leichterer Ball physiologisch sinnvoller wäre. Auch Fußballschuhe sind meist auf männliche Fußformen zugeschnitten.
Zyklusbasierte Trainingssteuerung: Vereine wie Carl Zeiss Jena planen Trainingsphasen inzwischen nach dem weiblichen Zyklus – eine Pionierarbeit, die Verletzungsrisiken senken kann.
Forschungslücke schließen: Nur 15 % aller sportmedizinischen Studien im Fußball beziehen sich ausschließlich auf Frauen.
5. Blick in die Zukunft: Die Heim-EM als Chance
Mit der UEFA Womenʼs EURO 2025 im eigenen Land steht der Schweizer Frauenfußball vor einem Meilenstein. Junge Talente wie Beney wollen zeigen, was sie können – und dafür braucht es gesunde Spielerinnen.
Beney selbst sagt:
„Es wäre ein Traum, im eigenen Land zu spielen. Die EM ist eine riesige Chance für den Frauenfußball.“
Und vielleicht sitzen bei der Heim-EM schon die nächsten Talente auf den Rängen, die von dieser neuen Generation lernen: Erfolg ist planbar – auch dank Prävention.
Fazit: Weniger Verletzungen, mehr Karrieren
Der Frauenfußball steht an einem Wendepunkt. Was früher als Pech galt, wird heute wissenschaftlich untersucht und mit neuen Trainingskonzepten aktiv bekämpft. Wenn Prävention vom Randthema zur Selbstverständlichkeit wird, können wir Verletzungen nicht nur reduzieren – sondern Karrieren verlängern und den Sport insgesamt auf ein neues Niveau heben.



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