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Vom Juniorinnenfußball zu den Aktiven

2. Aug. 2025
4 Min. Lesezeit

Das 4-2-3-1 als Zielsystem unserer Ausbildung

Das 4-2-3-1 bietet für den modernen Frauenfussball eine vielseitige Grundstruktur. Für uns beim FFC Bern West ist dabei nicht entscheidend, möglichst früh eine fertige Formation einzustudieren.

Unser Ziel ist vielmehr, die Spielerinnen Schritt für Schritt auf die Anforderungen des 11 gegen 11 vorzubereiten.


Von den ersten Spielformen bis zu den Aktiven entwickeln wir deshalb immer wieder dieselben grundlegenden Prinzipien: Räume erkennen, Breite und Tiefe schaffen, Überzahlen herstellen, gemeinsam verteidigen und selbstständig Lösungen finden.

Mit zunehmendem Alter und wachsendem Spielverständnis werden diese Prinzipien komplexer – bis sie ab FF17 und bei den Aktiven im 4-2-3-1 zusammengeführt werden können.

Das System wächst nicht einfach mit der Spielerin. Die Spielerin entwickelt die Fähigkeiten, um das System zu verstehen.

1. Spielverständnis statt starrer Positionen

Das 4-2-3-1 bietet viele unterschiedliche Verbindungen zwischen Defensive, Mittelfeld und Offensive.

Vier Verteidigerinnen bilden die hintere Grundstruktur. Davor verbindet eine Doppelsechs Defensive und Spielaufbau. Eine Zehnerin besetzt Räume zwischen den Linien, während zwei Flügelspielerinnen und eine Sturmspitze für Breite, Tiefe und offensive Dynamik sorgen können.

Damit entstehen zahlreiche Situationen, in denen Spielerinnen selbst Lösungen erkennen müssen:

  • Wann gebe ich Breite?

  • Wann gehe ich in die Tiefe?

  • Wann unterstütze ich die Ballführende?

  • Wann besetze ich einen Zwischenraum?

  • Wann sichere ich meine Mitspielerin ab?

  • Wie reagieren wir gemeinsam auf einen Ballverlust?

Vorteil: Spielerinnen lernen nicht nur, wo ihre Position ist, sondern warum sie sich in einer bestimmten Situation dort befinden.

2. Die Doppelsechs als Verbindung

Eine besondere Bedeutung besitzt im 4-2-3-1 die Doppelsechs.

Die beiden Spielerinnen müssen miteinander kommunizieren und ihre Positionen permanent aufeinander abstimmen.

Schiebt eine Spielerin nach vorne, kann die andere absichern. Unterstützt eine Sechserin den Spielaufbau, kann sich die zweite Spielerin in einem anderen Raum anbieten.

Dadurch lernen die Spielerinnen wichtige Prinzipien:

Absichern · Unterstützen · Spiel verlagern · Räume erkennen · Tempo bestimmen · Verantwortung übernehmen

Vorteil: Die Spielerinnen entwickeln ein Verständnis dafür, dass Positionen miteinander verbunden sind und Entscheidungen einer Spielerin Auswirkungen auf ihre Mitspielerinnen haben.

3. Viele Rollen – vielseitige Spielerinnen

Das 4-2-3-1 bietet unterschiedliche Positionsprofile:

Innenverteidigerin – Spiel eröffnen und absichernAussenverteidigerin – verteidigen, unterstützen und Breite schaffenSechserin – verbinden, organisieren und absichernZehnerin – Räume erkennen und kreative Lösungen findenFlügelspielerin – Breite, 1 gegen 1 und TiefenläufeStürmerin – Tiefe schaffen, Bälle sichern und Abschlüsse suchen

In der Ausbildung sollen Spielerinnen jedoch nicht möglichst früh auf eine dieser Rollen festgelegt werden.

Sie sollen unterschiedliche Aufgaben kennenlernen.

Vorteil: Wir entwickeln zunächst komplettere Spielerinnen. Eine stärkere Spezialisierung kann mit zunehmendem Alter und erkennbarem Spielerinnenprofil erfolgen.

4. Ein Ausbildungsweg ohne starres Systemdenken

Unser Weg führt über verschiedene Entwicklungsstufen:

FF7 → FF9 → FF11 → FF14 → ab FF17

Dabei versuchen wir nicht, ein 4-2-3-1 künstlich auf kleinere Spielformen zu übertragen.

Stattdessen bleiben die Spielprinzipien erhalten.

In kleineren Spielformen lernen Spielerinnen beispielsweise, sich freizulaufen, Dreiecke zu bilden, Breite und Tiefe zu erkennen und gemeinsam anzugreifen und zu verteidigen.

Mit jeder Altersstufe kommen zusätzliche Spielerinnen, grössere Räume und komplexere Beziehungen hinzu.

Ab FF17 können diese erlernten Prinzipien schliesslich in einer vollständigen 4-2-3-1-Grundordnung zusammengeführt werden.

Vorteil: Keine Ausbildung nach starren Formationen – sondern eine kontinuierliche Steigerung der spielerischen und taktischen Anforderungen.

5. Struktur ohne Kreativität zu verlieren

Ein Spielsystem soll Orientierung schaffen.

Es soll aber nicht jede Entscheidung vorgeben.

Genau darin liegt für uns eine Stärke des 4-2-3-1.

Eine Flügelspielerin kann breit bleiben oder nach innen ziehen. Eine Aussenverteidigerin kann nachrücken. Eine Sechserin kann absichern oder den Spielaufbau unterstützen. Die Zehnerin kann zwischen den Linien unterschiedliche Räume suchen.

Dadurch entstehen immer neue Situationen.

Die Spielerinnen müssen wahrnehmen, analysieren, entscheiden und ausführen.

Vorteil: Die Grundstruktur gibt Sicherheit – innerhalb dieser Struktur bleibt Raum für Eigeninitiative und Kreativität.

6. Mit und gegen den Ball denken

Das 4-2-3-1 ist nur die Grundordnung.

Mit Ball kann sich die Struktur verändern. Aussenverteidigerinnen schieben nach vorne, Flügelspielerinnen ziehen nach innen oder eine Sechserin lässt sich für den Spielaufbau tiefer fallen.

Gegen den Ball können die offensiven Aussenspielerinnen zurückfallen. Aus der ursprünglichen Grundordnung kann dadurch beispielsweise eine kompaktere Struktur entstehen.

Nach einem Ballverlust müssen wiederum andere Prinzipien greifen.

Damit lernen Spielerinnen:

Eine Formation ist nicht das Spiel.

Das Spiel besteht aus permanenten Veränderungen.

Vorteil: Spielerinnen lernen, Situationen zu lesen und ihre Aufgabe der jeweiligen Spielphase anzupassen.

Unser Ziel: denkende Spielerinnen

Für uns ist das 4-2-3-1 deshalb kein starres Korsett und auch kein System, das bereits unseren jüngsten Spielerinnen aufgezwungen werden soll.


Es ist die taktische Perspektive am Ende eines langfristigen Ausbildungsweges.

Auf diesem Weg entwickeln wir technische Fähigkeiten, Wahrnehmung, Raumverständnis, Kommunikation, Entscheidungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Das passt unmittelbar zu unserer Hexagon-Philosophie:

Die Spielidee steht über dem System.


Fazit: 4-2-3-1 als Zielsystem statt Ausbildungsschablone

Das 4-2-3-1 bietet eine interessante Struktur für unsere älteren Juniorinnen und Aktiven, weil es defensive Absicherung, zentrale Verbindungen, Breite, Tiefe und offensive Freiheit miteinander verbinden kann.

Aber unser eigentliches Ziel ist nicht, Spielerinnen hervorzubringen, die ein 4-2-3-1 auswendig beherrschen.

Wir möchten Spielerinnen entwickeln, die verstehen, warum das 4-2-3-1 funktioniert – und selbst erkennen, welche Lösung eine Spielsituation verlangt.


FF7 → FF9 → FF11 → FF14 → ab FF17

Schritt für Schritt mehr Raum. Mehr Verantwortung. Mehr Entscheidungen.

Bis aus Spielerinnen, die Fussball spielen, Spielerinnen werden, die Fussball verstehen. 🌹⚽

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